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Vitamin D: Mit dem Sonnenhormon gegen Rheuma

  • Vitamin D
Vitamin D ist eigentlich gar kein Vitamin — sondern ein Hormon, das unseren gesamten Körper beeinflusst. Schon Hippokrates empfahl daher ein tägliches Sonnenbad. Wie wichtig ist das Sonnenhormon für unsere Gesundheit und wie kann es bei Rheuma helfen?

Was ist Vitamin D und wie wirkt es auf den menschlichen Körper?

Vitamin D ist ein Hormon, das die verschiedensten Prozesse im Körper steuert und sogar unser Erbgut beeinflusst. Bei Vitamin D3 handelt es sich um die aktive Form des Hormons, die der Körper unter Sonneneinstrahlung selbst herstellen kann. Die Relevanz von Vitamin D für unsere Gesundheit wird allein dadurch schon deutlich, dass Vitamin D Rezeptoren bisher in fast allen Körperzellen nachgewiesen werden konnten. Evolutionsbiologisch gesehen wirkt Vitamin D als Botenstoff, der dem Körper signalisiert, wann es Zeit ist, sich auf den Winterschlaf vorzubereiten. Dieser Effekt kann auch heute noch im Tierreich beobachtet werden. Sobald es Herbst wird, d.h. die Sonne weniger, kürzer und schwächer scheint, produziert der Körper weniger Vitamin D und der Spiegel beginnt zu sinken. Der Organismus schaltet nun auf „Energiesparmodus“, um den langen Winter zu überleben. Das führt dazu, dass auch das Immunsystem auf ein Minimum heruntergefahren wird. Kein Wunder also, dass Menschen mit Vitamin D Mangel — der überwiegende Teil der deutschen Bevölkerung — im Winter so oft erkältet sind. Ein weiterer Effekt des Überwinterungsmodus’ ist das Ansetzen von Winterspeck — man bereitet sich schließlich auf eine zu erwartende Nahrungsknappheit vor. Die Korrelation zwischen andauerndem Vitamin D Mangel und zunehmender Fettleibigkeit in der Bevölkerung ist auch hier kaum zu übersehen.

Neben seiner Rolle als „Ein-/Ausschalter“ des gesamten Immunsystems steuert Vitamin D gezielt die Calciumaufnahme des Körpers. Daher spielt ein guter Vitamin D Spiegel eine maßgelbliche Rolle beim Aufbau und Erhalt der menschlichen Knochengesundheit. Die steigende Anzahl an Knochenerkrankungen in den letzten Jahres sind nicht zuletzt eine Folge des allgemeinen Mangelzustands in der Bevölkerung.

Wie kommt es zu einem Vitamin D Mangel?

Da Vitamin D so gut wie gar nicht über die Nahrung aufgenommen werden kann, ist  Vitamin D Mangel nichts anderes als Sonnenmangel. Aber wodurch wird dieser ausgelöst? In Deutschland und generell allen Ländern nördlich des 37. Breitengrads leiden ca. 70-90% der Bevölkerung unter Vitamin D Mangel. Dies liegt vor allem daran, dass die UVB-Strahlung der Sonne in diesen Breitengraden nur von April bis September intensiv genug ist, um den menschlichen Körper zur Vitamin D Bildung anzuregen. Von Oktober bis März, d.h. den gesamten Herbst und Winter über, kann der Körper kein Vitamin D herstellen!

Hinzu kommt unsere moderne Lebensweise, die vorwiegend in geschlossenen Räumen stattfindet. Dabei genügt schon eine normale, durchsichtige Fensterscheibe, um die UVB-Strahlung des Sonnenlichts herauszufiltern, sodass ein ausgiebiges Sonnenbad am geschlossenen Fenster zwar einen Sonnenbrand verursachen, aber kein Vitamin D produzieren kann. Zu guter Letzt haben uns Schulmedizin und Pharmaindustrie seit den 80er Jahren immer wieder eingebläut, bloß nicht ohne Sonnencreme in die Sonne zu gehen. Dabei wird schon ab Lichtschutzfaktor 8 so viel UVB-Strahlung herausgefiltert, dass keine Vitamin D Bildung mehr erfolgt.

Zusammengefasst ist es also alles andere als verwunderlich, dass so viele Menschen in Deutschland einen viel zu niedrigen Vitamin-D Spiegel aufweisen. Im Herbst und Winter bildet der Körper gar kein Vitamin D und wäre daher auf ein gut gefülltes Depot angewiesen. Unsere moderne Lebensweise gepaart mit Sonnencreme versichert jedoch, dass auch im Frühling und Sommer nicht annähernd genügend Vitamin D gebildet werden kann.

Was sind die Symptome und Folgen eines Vitamin D Mangels?

Leidet der Körper unter einem Vitamin D Mangel, so befindet er sich quasi dauerhaft in einer Art „Winterschlaf“, in dem alle Körperfunktionen — allen voran das Immunsystem — auf Sparflamme laufen. Typische Symptome sind unter anderem:

  • Infektanfälligkeit und häufige Grippen
  • chronische Müdigkeit
  • Leistungs- und Konzentrationsschwäche
  • Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Haarausfall
  • Autoimmunerkrankungen
  • Bluthochdruck
  • Arteriosklerose 

Da Vitamin D die Calciumaufnahme des Körpers steuert, kann ein dauerhafter Mangel die Knochenstabilität beeinflussen. Denn verfügt der Körper über zu wenig Calcium, holt er es sich aus den Knochen. Dies kann zu Erkrankungen führen wie:

  • Rachitis
  • Osteomalzie
  • Osteoporose
  • rheumatische Arthritis
  • Arthrose

Erste Anzeichen für einen Vitamin D Mangel können aber bereits Muskelzucken oder Muskelkrämpfe sein, da der Körper bei einer ungenügenden Calciumversorgung — ausgelöst durch einen Vitamin D Mangel — sparsam mit Calcium umgehen muss und die Muskeln somit unterversorgt werden. Eine gute Calciumversorgung ist außerdem erforderlich, um den Blutfluss in den Gefäßen zu steuern. Steht hier zu wenig Calcium zur Verfügung, muss der Körper auf Adrenalin zurückgreifen, um den Blutdruck stabil zu halten. Da Adrenalin aber auch die Nervenzellen stimuliert, kommt es oft zu Schlafstörungen und Schlaflosigkeit, wenn der Körper durch andauernde Adrenalinfreisetzung wachgehalten wird.

Vitamin D hat eine Wirkung auf jede Zelle des Körpers — so auch auf Nervenzellen im Gehirn. Daher wird ein Vitamin D Mangel zunehmend mit neuronalen Erkrankungen wie

  • Demenz
  • Multiple Sklerose
  • Psychosen

in Verbindung gebracht.

Wie bestimme ich meinen Vitamin D Spiegel?

Den eigenen Vitamin D Spiegel kann man einfach über einen Bluttest beim Hausarzt bestimmen lassen. Leider wird er meist nicht von der Krankenkasse übernommen, ist aber mit etwa 30 € noch erschwinglich. Bei Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis, bei der sogar die Schulmedizin mittlerweile einen Zusammenhang zwischen Krankheitsverlauf und Vitamin D Spiegel erahnt, wird der Test von vielen Krankenkassen einmalig übernommen. Folgende Tabelle gibt einen Überblick über eine ungefähre Klassifizierung der verschiedenen Wertebereiche:

Interpretation Wert (ng/ml)
Extremer Mangel < 12
Mangel 12-20
Leichter Mangel 20-30
Ausreichende Versorgung 30-40
Gute Versorgung 40-50
Optimalversorgung 50-90
Empfohlene Obergrenze im Blut 100
Gefahr einer sehr hohen Calciumaufnahme (K2 Mangelerscheinung) > 150
Mögliche Vergiftungserscheinungen > 300

Optimalerweise sollte man einen Vitamin D Spiegel von etwa 90 ng/ml anstreben, bei Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis oder Multipler Sklerose sogar darüber. Werte jenseits der 150 ng/ml sind aufgrund körpereigener Regulationsmechanismen so gut wie nicht zu erreichen. Es gibt Berichte über Selbstversuche, in denen trotz täglicher Hochdosen über ein Jahr keine Werte über 150 ng/ml erreicht werden konnten. Zur weiteren Lektüre kann ich hier das Buch „Hochdosiert Vitamin D3“ von Jeff T. Bowles empfehlen.

Oftmals werden Vitamin D Spiegel auch in nmol/l angegeben. Die Umrechnung ist dabei wie folgt:

1 ng/ml = 1 µg/l = 2.5 nmol/l.

Des Weiteren entspricht 1 µg Vitamin D 40 Internationalen Einheiten (I.E.).

Wie kann ich mich optimal mit Vitamin D versorgen?

Vitamin D ist in Lebensmitteln nahezu kaum enthalten. Lediglich sehr fettreiche Fischsorten enthalten eine gewisse Menge des Hormons. Aber um damit den Bedarf zu decken, müsste man täglich mehrere 100 g fetten Fisch essen, was weder möglich, noch gesund ist. Im Sommer sollte daher die Hauptversorgung durch ein tägliches Sonnenbad erfolgen. Dabei reicht es jedoch nicht aus, einfach das Gesicht oder die Hände in die Sonne zu halten. Je mehr freie Haut desto besser. Dann reichen — je nach Hauttyp — 10-30 Minuten in der vollen Mittagssonne aus, um den täglichen Bedarf zu decken. An bewölkten Tagen und vor allem im Winter führt jedoch kein Weg an einer Supplementierung vorbei.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine tägliche Dosis von 400-800 I.E. Vitamin D. Dies ist jedoch viel zu wenig, um einen Mangel zu verhindern, geschweige denn jemals in einen optimalen Bereich zu gelangen. Die Amerikaner sind hier schon etwas weiter. So empfiehlt die American Endocrine Society immerhin eine tägliche Zufuhr von 1500-2000 I.E. . Forscher der „University of Alberta School of Public Health“ entdeckten im Oktober 2014, dass die vorherrschenden gesetzlichen Richtwerte auf einem Rechenfehler beruhen und mindestens 10 mal höher ausfallen müssten, um eine gesundheitliche Relevanz zu haben. Ein zweites Forscherteam der „University of California“ in San Diego bestätigte diese Entdeckung im März 2015 in einem Fachartikel. Aktuelle Studien zeigen, dass 4000 I.E. das absolute Minimum sein sollten, um einem Vitamin D Mangel vorzubeugen.

Wie aber kann man einen bestehenden Mangel rückgängig machen und einen optimalen Vitamin D Spiegel erreichen? Die Behandlung besteht aus einer hochdosierten Anfangstherapie gefolgt von einer weniger hoch dosierten Erhaltungsdosis. Die genaue Dosierung hängt hierbei vom persönlichen aktuellen Vitamin-D Spiegel, dem gewünschten Spiegel, sowie dem Körpergewicht ab und kann mit Hilfe einer Formel errechnet werden. Hierzu empfehle ich die Lektüre des Buchs „Gesund in 7 Tagen“ von Dr. med. Raimund von Helden, in dem das Vorgehen sehr gut beschrieben ist. Üblicherweise liegt eine Vitamin D Therapie, bei der ein Mangelzustand ausgeglichen und ein optimaler Wert erreicht werden soll, etwa in folgender Größenordnung:

  • Anfangstherapie: 40.000-50.000 I.E. täglich über 10 Tage
  • Erhaltungstherapie: 7.000-10.000 I.E. täglich danach

Wichtig ist es hierbei, die Kofaktoren von Vitamin D nicht zu vergessen!

Kofaktoren und Überdosierung

Vitamin D hat zwei wichtige Kofaktoren, die bei einer Supplementierung — vor allem im Hochdosisbereich — nicht außer Acht gelassen werden dürfen. Vorrangig ist hier Vitamin K2 zu nennen (nicht zu verwechseln mit Vitamin K1, das für die Blutgerinnung zuständig ist!). Vitamin K2 sort dafür, dass das durch Vitamin D aufgenommene Calcium abtransportiert wird und im Körper verwertet werden kann. Bei extrem langer, hochdosierter Supplementierung von Vitamin D, die mit einer extrem hohen Resorption von Calcium einhergeht, könnte es daher zu einem Mangel an K2 kommen. Die Folge davon wäre, dass Calcium zwar aufgenommen, aber vom Körper nicht verwertet werden könnte und sich im Körper ablagern würde. Die Schulmedizin verweist gerne auf die Gefahr der sogenannten Hyperkalzämie, wenn es darum geht, höhere Mengen Vitamin D zu sich zu nehmen. Jedoch handelt es sich hierbei weniger um die Folge einer Überdosierung von Vitamin D als um die Folge eines Vitamin K2 Mangels. Ab einer Einnahme von 10.000 I.E. täglich wird daher empfohlen, 150-200 µm K2 zu supplementieren. Am besten geeignet ist hier die natürliche Form MK7, die aus fermentierten pflanzlichen Nahrungsmitteln gewonnen wird, daher vegan ist und eine bessere Wirksamkeit als die alternative Form MK4 aufweist.

Der zweite wichtige Kofaktor von Vitamin D ist Magnesium. Da beim Einbau von Calcium in den Körper auch vermehrt Magnesium verbraucht wird, empfiehlt es sich, auch hier auf eine ausreichende Versorgung zu achten, um Muskelzucken oder -krämpfen vorzubeugen.

Bei der natürlichen Zufuhr von Vitamin D über ein Sonnenbad ist eine Überdosierung naturgemäß vollkommen ausgeschlossen.  Zwar kann der Körper in einer einzigen Sitzung etwa 10.000-15.000 I.E. Vitamin D selbst produzieren. Nach etwa 20-30 Minuten praller Mittagssonne wird jedoch ein Mechanismus in Gang gesetzt, der die Vitamin D Produktion automatisch herunterfährt und somit eine Überdosierung unmöglich macht. Das bedeutet gleichzeitig auch, dass ein längeres Sonnenbad keinen gesundheitlichen Nutzen mehr bringt. Statt Sonnencreme mit zum Teil bedenklichen Inhaltsstoffen, die über das größte menschliche Organ — die Haut — hervorragend aufgenommen werden können, sollte man nach dem Sonnenbad lieber auf Sonnenschutz durch Kleidung zurückgreifen.

Vitamin D und Rheuma

Ein gesunder Vitamin D Spiegel ist die Basis eines funktionierenden Immunsystems und daher eines gesunden Körpers. Aufgrund des Wirkungsspektrum von Vitamin D im menschlichen Körper, das über die Aktivierung und Regulierung des Immunsystems bis zum Knochenaufbau reicht, ist es nur logisch, das ein Vitamin D Mangel eine autoimmune Gelenkerkrankung — wie rheumatoide Arthritis — verursachen oder zumindest maßgeblich beeinflussen kann. Genauso kann aber ein optimaler Vitamin D Spiegel zur Bekämpfung und Heilung einer solchen Krankheit beitragen.

Eine 2015 veröffentlichte Studie des Militärinstituts für Medizin in Warschau zeigte beispielsweise, dass 76 % der Rheumapatienten einen Vitamin D Spiegel von unter 20 ng/ml aufwiesen, also chronisch unterversorgt waren. Bei 38 % lag der Spiegel sogar unter 10 ng/ml. Zeitgleich konnte eindeutig eine höhere Krankheitsaktivität bei niedrigerem Spiegel nachgewiesen werden.

Befindet sich ein Rheumapatient in schulmedizinischer Behandlung, wird er meist mit einem Basismedikament behandelt. Dabei handelt es sich um Immunsuppressiva, die das fehlgeleitete Immunsystem unterdrücken sollen, damit es den eigenen Körper nicht weiter angreift. Damit wird er jedoch auch anfälliger für jegliche Form von Krankheiten. Die Auffüllung und Erhaltung eines optimalen Vitamin D Spiegels hat gerade hier zwei wichtige Funktionen. Zum einen stärkt Vitamin D das Immunsystem, sodass der Körper weniger anfällig für Krankheiten ist. Zum anderen sollte ein optimaler Vitamin D Spiegel auf Dauer das Immunsystem wieder regulieren, sodass die Krankheitsaktivität abnimmt und im besten Fall eine Heilung möglich ist.

 

Foto: shutterstock.com/Smileus

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